Monatlicher Buchtipp – Archiv

Diese vorüberrauschende blaue einzige Welt

Gedichte zu Trauer, Tod und der Liebe zum Leben

Ausgewählt und eingeleitet von Verena Kast
ISBN: 978-3-8436-1101-5, € 18.00

Mit Gedichten von Ingeborg Bachmann, Hilde Domin, Erich Fried, Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke und anderen.

Was im Alltag oft tabuisiert wird, sprechen diese zeitlosen Gedichte aus, denn es geht um unsere menschliche Vergänglichkeit und den Tod. Aber zugleich werden auch dem Leben und der Endlichkeit Raum und Worte gegeben, denn all diese Themenfelder sind eng mit einander verwoben.

Die Sonne
der Regenbogen
die Nacht

Wenn der Schock
kommt
das Herz stockt
der Raum brennt

Gib mir Licht

(Rose Ausländer)

Was mach ich nur mit meiner Trauer

Dagmar Geisler
ISBN: 978-3-7432-0239-9, € 9.95
für Kinder ab 5 Jahren

Dieses Sachbilderbuch zum Thema Abschied und Trauer bietet Hilfe und Gesprächsanregungen beim Verlust eines geliebten Menschen.
Es ist liebevoll bebildert und zeigt die unterschiedlichen Facetten der Trauer und deren Entwicklung und den möglichen Umgang mit ihr.

Einfach so weg - Dein Buch fürs Abschied nehmen, loslassen und festhalten

Von Ayse Bosse und Andreas Klammt
Carlsen Verlag GmbH
ISBN: 978-3-551-51849-1, 15.00€

Abschied nehmen gehört zum Leben dazu. Doch wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist der Verlust häufig kaum auszuhalten, jeder trauert anders. Dieses mit jungen Menschen speziell für Jugendliche konzipierte Buch bietet deshalb Platz für die ganz eigene individuelle Trauer.

Es bietet Platz für Gedanken, Gefühle und Erinnerungen.

Die Kreativseiten (Gestaltung eines Grabsteines, Erstellung eines Steckbriefes und vieles mehr) helfen, die Trauer in Worte zu fassen und ermöglichen so die Auseinandersetzung mit der eigenen Trauer.

„Das Buch funktioniert für alle, die du liebst. Ob Mensch oder Tier, macht keinen Unterschied, Liebe wiegt immer viel und die Spezies ist dabei totale Nebensache.“

Die Geschichte von den Wasserkäfern und der Libelle …

Heute gibt es keinen Buchtipp sondern eine Geschichte zum Lesen und Nachdenken, von Wasserkäfern und Libellen, von Veränderungen sowie Blicken nach vorne und zurück.

Am Boden eines kleines ruhigen Teiches lebte eine Gemeinschaft von Wasserkäfern. Es war eine zufriedene Gemeinschaft, die dort im Halbdunkel lebte und damit beschäftigt war, über den Schlamm am Boden des Teiches hin und her zu laufen und nach etwas Nahrung zu suchen.

Immer wieder bemerkten die Wasserkäfer jedoch, dass der eine oder andere von ihnen anscheinend das Interesse daran verlor, bei ihnen zu bleiben. Er klammerte sich dann an einen Stängel einer Teichrose und kroch langsam daran empor bis er verschwunden war. Dann wurde er nie wieder gesehen.

Eines Tages, als dies wieder geschah, sagten die Wasserkäfer zueinander: “Da klettert wieder einer unserer Freunde den Stängel empor. Wohin mag er wohl gehen?”

Aber obwohl sie genau zuschauten, entschwand auch dieses Mal der Freund schließlich aus ihren Augen. Die Zurückgebliebenen warteten noch eine lange Zeit, aber er kam nicht zurück.

“Ist das nicht merkwürdig?”, sagte der erste Wasserkäfer.
“War er denn hier nicht glücklich bei uns?”, fragte der Zweite.
“Wo er jetzt wohl ist?”,  wunderte sich der Dritte.

Keiner wusste eine Antwort. Sie standen vor einem Rätsel. Schließlich berief der Älteste der Käfer eine Versammlung ein. “Ich habe eine Idee”, sagte er. “Der Nächste, der von uns den Teichrosenstängel empor klettert, muss versprechen, dass er zurückkommt und uns erzählt, wohin er gegangen ist und warum.” “Wir versprechen es”, sagten alle feierlich.

Nicht lange danach an einem Frühlingstag, bemerkte genau der Wasserkäfer, der den Vorschlag gemacht hatte, dass er dabei war, den Teichrosenstängel empor zu klettern. Höher und immer höher kletterte er. Und dann, noch bevor er wusste, was ihm geschah, durchbrach er die Wasseroberfläche und fiel auf ein großes, grünes Teichrosenblatt.

Als der Wasserkäfer wieder zu sich kam, blickte er verwundert um sich. Er konnte nicht glauben, was er da sah. Alles war ganz anders und auch sein Körper schien auf merkwürdige Art verändert. Als er ihn neugierig zu betrachten begann, fiel sein Blick auf vier glitzernde Flügel und einen langen Hinterleib, die nun anscheinend zu ihm gehörten. Noch während er sich über seine ungewohnte Form wunderte, spürte er ein Drängen, die Flügel zu bewegen. Er gab dem Drängen nach, bewegte seine Flügel – und plötzlich, ohne zu wissen wie, befand er sich in der Luft.

Der Wasserkäfer war eine Libelle geworden. Auf und ab, in engen und großen Kreisen, bewegte sich die neugeborene Libelle durch die Luft. Sie fühlte sich wunderbar in diesem so ganz andersartigen Element. Nach einiger Zeit ließ sie sich auf einem Blatt zum Ausruhen nieder.

In diesem Moment sah die Libelle hinunter ins Wasser. Und da waren ihre alten Freunde, die anderen Wasserkäfer, die hin und her liefen am Boden des Teiches. Jetzt erinnerte sich die Libelle an ihr Versprechen.

Ohne lange zu überlegen, stürzte sich die Libelle hinab, um ihren alten Freunden zu berichten. Aber sie prallte an der Oberfläche des Wasser ab.

“Ich kann nicht zurück.” sagte sie traurig. “Zwar habe ich es versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Und selbst wenn ich zurückkönnte, kein einziger meiner Freunde würde mich in meinem neuen Körper erkennen.”

Und nach einigem Nachdenken wurde ihr klar: “Ich muss wohl warten, bis sie ebenfalls Libellen geworden sind. Dann wissen sie selbst, was mir widerfahren ist und wohin ich gegangen bin.”

Und damit flog die Libelle glücklich empor, in ihre wunderbare neue Welt aus Licht und Luft.

Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft

Von Katrin Hartig und Stefanie Oeft-Geffrath
ISBN: 978-3-00-052750-0, 14.90 €
Das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung.

Tattoos im Kontext der Trauerverarbeitung.

„Das ist wie Berührung“
„Teil meiner Identität“
„Eine Art bleibende Narbe“
„Nah an meinem Herzen“

Katrin Hartig und Stefanie Oeft-Geffrath haben sich für ihr Projekt „Trauertattoo“ mehr als zwei  Jahre lang mit Trauernden unterhalten, ihnen Fragen zur Motivation für das Tattoo gestellt und die Motive & Menschen fotografiert.
In diesem Buch geht es um diese Geschichten hinter den Bildern und es soll vor allem auch über diese Möglichkeit der Trauerverarbeitung informieren.
Das Tattoo kann Liebeserklärung und Brücke zum Verstorbenen sein.

Ein Buch, das unter die Haut geht.

Molly und das große Nichts
Ein Bilderbuch über Leben- und Nicht-leben-Wollen

von Anna Sophia Backhaus und Rosa Linke
BALANCE Buch + Medien Verlag
ISBN: 978-3-86739-126-9, 17.00 €
ab 8 Jahre

Ein Kinderbilderbuch, das Depressionen bei Kindern thematisiert. Ausgezeichnet durch einfache Sprache und die Darstellung, wie das kleine Mädchen Molly schrittweise immer weniger Gefühle hat und die Farben in ihrem Leben verblassen.

In ihrer Kindheit wollte Molly Prinzessin werden. In ihrem Leben war kein Platz für Sorgen und Langeweile – Rad fahren, kochen, schwimmen, schaukeln. Die erste Liebe.
Mit ihren Eltern und ihrer Schwester war das Leben einfach schön!

Irgendwann machten diese Hobbys keinen Spaß mehr, das Leben war nicht mehr schön! Sie fühlte nur noch Leere, keine Freude und keine Schmerzen – sie fühlte nichts. Ein Kinderpsychologe stand ihr zur Seite. Das Buch beschreibt kindliche Depression aus der Sicht von Molly, für die nichts mehr so ist wie es einmal war und den jahrelangen Weg zurück.

Es dauerte Jahre, bis das, was in Molly gestorben ist, zurückkam. Das Buch schließt mit den beiden Worten "Ich lebe".

Überall und irgendwo

Von Pimm van Hest und Sassafras De Bruyn
Alibri Verlag GmbH
ISBN: 978-3-86569-258-0, 16.00 €

Ein gefühlvolles Kinderbuch, das mit der Frage „Mama, wo bist du?“ beginnt und mit der Antwort „Mama ist überall!“ endet.

Nachdem Yolandas Mutter gestorben ist, stellt sich die Tochter immer wieder diese Frage. Sie will die Antwort wissen und so wird jeder aus ihrer Familie befragt.
Für ihren kleinen Bruder Julian ist sein Kuschelbär sein „Mamaersatz“. Er spricht mit seinem Bär so wie er mit Mama gesprochen hat. Für ihn ist Mama immer noch da, immer noch nah. Auch Yolandas Vater und ihre Tante Christine sagen, dass Mama überall ist, wo auch sie sind. Solange sie über Mama reden wird sie niemals verschwunden sein. Abends kuschelt Yolanda mit ihrem Kuschelhasen. Er riecht nach Mama. Sie schließt ihre Augen und spürt sie bei sich. Am nächsten Morgen ist auch ihr klar, dass Mama überall ist.

Alle vermissen die Mutter sehr, doch sie wird immer ein Teil der Familie bleiben, denn Erinnerungen und Gedanken an sie verblassen nicht.

Trauer ist eine lange Reise
Für dich auf dem Jakobsweg

Von Georg Koeniger
Piper Verlag
ISBN: 978-3492310932, 10.00 €

Der Wunsch seiner Frau, den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela zu radeln, lies sich nicht mehr erfüllen. Sie verstarb im September 2012 an Lungenkrebs. So setzt sich der Kabarettist Georg Koeniger für sie auf das Rad und macht sich auf den Weg.

Die Reise, anfangs eher widerwillig angetreten, bekommt ihre ganz eigene Dynamik. Das Buch beschreibt die Höhen und Tiefen dieser Pilgerfahrt, sowohl emotional, als auch ganz praktisch auf der Wegstrecke. Es erzählt von seinen Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre, die Zeit der Krankheit, von seiner Trauer und auch seiner Bemühung, in seinen eigenen Alltag zurück zu finden sowie seinen Reiseerlebnissen.

Sarah, Opa und die Sanduhr
Eine Geschichte über das Leben und das Sterben

Von Martina Christine Masser
Neukirchener Verlag
ISBN: 978-3-7615-6490-5, 12.99 €

Sarah erlebt die Erkrankung und den anschließenden Tod ihres Opas.
Ihr stellen sich nun so viele Fragen, z. B. was geschieht mit seinem Körper und seiner Seele, wenn er nicht mehr lebt. Warum sterben Menschen überhaupt? Sarah kann mit ihrer Mutter über all diese Fragen reden und kann gemeinsam mit ihrer Familie Abschied nehmen, die Trauerfeier erleben. Ihre Familie findet Trost im christlichen Glauben, in dem Wissen, dass Ihr Opa bei Gott geborgen ist.

Im Anschluss an die Geschichte gibt es noch einen erklärenden Anhang für Eltern und Lehrer.

Eine Reise ins Leben
oder wie ich lernte, die Angst vor dem Tod zu überwinden

Von Saskia Jungnikl
Fischer Verlag
ISBN: 978-3-596-03645-5, 14.99 €

Saskia Jungnikl, Jahrgang 1981, wurde durch den Tod von Bruder und Vater schon früh mit den Themen Abschied und Verlust konfrontiert. Wie viele von uns hat sie Angst vor dem Tod, vor seiner Unberechenbarkeit und dem damit einhergehenden Kontrollverlust.

Um sich dieser Angst zu stellen, setzt sie sich aktiv mit dem Tod auseinander, sucht bewusst Orte und Menschen auf, die sich mit dem Thema auf unterschiedliche Weise beschäftigen.

Ihre Geschichten zeigen viele unterschiedliche Facetten und Sichtweisen und geben somit Anregungen, die eigene Perspektive und Betrachtungsweise zu hinterfragen. Sie erzählen aber auch viel über das Leben, denn beides – Tod und Leben – sind untrennbar miteinander verbunden.

Seite 1 von 5